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Die Ann als Modeblogger?

“Neeeeiiiiiiin!”, sagt die Ann.. Und verzieht missbilligend das Gesicht. “Dohooooooch,” sagt der Flo “wenn ich das kann, kannst du das auch!”.

Nun gut. Damit hat er mich zwar nicht überzeugt, plötzlich vor Begeisterung die Arme in die Luft zu werfen und zu schreien “Juchee, die Ann wird Modeblogger!”, aber ein wenig Selbstreflexion hat ja noch nie geschadet.

Definition*

*laut Ann, nicht offiziell
Ein Modeblogger ist jemand, der sich hauptberuflich oder als Hobbyist mit der Mode beschäftigt. Hierbei ist es egal ob Männlein oder Weiblein, ob Schuh- oder Taschenfetischist. Es wird gebloggt (mit Bildern, natürlich), ge-instagram-ed, getwittert was das Zeug hält. Viele Modeblogger bekommen “Fashion-Items” kostenfrei zugeschickt und verfassen dann Reviews. Oder sie besuchen Modenschauen und schreiben dann über ihre Impressionen.

Anns Beziehung zur Mode

..ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Ja, wirklich. Ich verbrachte meine Teenagerzeit am unteren Ende des Normalgewichts und in der ständigen Annahme, ich sei zu dick. Oder mein Körper in irgendeiner Form “falsch” und “nicht gut genug”. Damals hatte ich Größe 36 und mein größtes Problem bestand darin, dass Hosenbeine grundsätzlich zu lang waren. (Das Problem besteht immer noch. Bin schließlich nur in die Breite gewachsen, nicht in die Höhe). Mittlerweile bin ich doppelt so schwer wie früher, eher in Konfektionsgröße 48/50 heimisch und fühle mich wohl in meinem Körper. TROTZ ständiger Anfeindungen und freundlich gemeinter “mach doch Sport, dann klappts auch mit dem Abnehmen”-Ratschläge. Die Sache mit der Außenwirkung eines übergewichtigen Körpers habe ich lange Zeit gar nicht realisiert, bis ich in mehreren Würzburger Läden von Verkäuferinnen darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es in “ihren” Läden nichts in meiner Größe gäbe. Ich solle doch mal zu Ulla Popken schauen. Das lässt sich als Beschimpfung auffassen, aber es ist schlicht die Wahrheit. In 95% aller Bekleidungsläden kann ich nichts kaufen, weil es nichts in meiner Größe gibt. Für die meisten trendigen Marken existieren Frauen jenseits der Größe 44 nicht. Was bleibt einem bei einer begrenzten Auswahl anderes übrig, als einen

Bekleidungspragmatismus

zu entwickeln? Obwohl auch viele Labels sich mittlerweile in den Bereich der “Plus Size Mode” vorwagen, scheinen sie dennoch nicht realisiert zu haben, dass ein weiblicher Körper sich mit steigendem Gewicht nicht proportional “ausdehnt”. Selbst in Katalogen für große Größen muss ich daher 10 Hosen bestellen, damit vielleicht eine dabei ist, die mir passt. Oft ist auch gar nichts dabei, was zusätzlich frustriert. Von irrationalen Vorstellungen der Oberweite möchte ich gar nicht anfangen. Wie toll ist es daher, wenn man mal ein Stück Stoff findet, das einem wirklich passt. Wenn es dann auch noch einigermaßen vorteilhaft geschnitten ist – Super! Bestelle ich gleich noch zwei davon! Ich habe eben gelernt, den üblichen Modeweisheiten, Trendfarben und -schnitten keine Beachtung zu schenken. Denn wären diese auch noch Kriterium, wäre mein Kleiderschrank ziemlich leer.

Prioritäten

Da man als normaler Arbeitnehmer jeden Monat nur ein begrenztes Budget für Bekleidung hat, muss man Prioritäten setzen. Als Person mit Übergröße ist das gleich nochmal wichtiger, denn Plus Size ist ein recht kostspieliges Pflaster. Ich priorisiere den Kauf von gutem Schuhwerk (die Füße sollen so wenig wie möglich unter dem Körpergewicht leiden. Billige, schlecht sitzende Schuhe führen nur zu unnötigen Schmerzen), da zahlt man pro Paar mindestens 80-90 Euro, ohne topmodernes Design. Wenn man dann noch Brüste (haha, sie hat Brüste gesagt!) in einem gewissen Größenformat spazieren trägt, benötigt man auch gute BHs. Die Auswahl hier in Deutschland ist lachhaft, daher bestelle ich meist im Ausland. Aber auch dort sind Modelle selten Schnäppchen, ab 50 Euro muss man pro BH kalkulieren. Auch hier hat man dann kein exklusives, sexy und verruchtes Exemplar. Merkt ihr, worauf ich hinaus will?

Shopping

Wenn man mir schlechte Laune bescheren will, muss man mich einfach in Würzburg Kleidung kaufen schicken. Das ist selten von Erfolg gekrönt, denn spätestens nach dem zweiten Laden vergeht mir die Lust vollständig. Bei Schuhen ist es nicht viel besser. Was mich besonders aufregt, ist die Art der Ladenaufteilung. Vorbei die Zeiten, in denen Hosen (nach Farbe und Größe sortiert)links, Blusen rechts und Mäntel direkt am Eingang hingen. Nein! Jetzt schickt man den Kunden auf Jagd quer durch’s ganze Kaufhaus. Da ich aber ein zielorientierter Einkäufer bin (z.B. “Ich brauche eine neue schwarze Hose”), verlasse ich solche Läden bereits nach wenigen Minuten sehr genervt wieder. Ich bin einfach nicht bereit, eine Viertelstunde zu suchen bis ich einen eventuell geeigneten Kandidaten mit in eine viel zu enge Umkleidekabine schleifen kann. Ja, ich bin begeisterter Onlinekäufer. In Onlineshops kann ich nach Größe, Farbe, Stil, etc sortieren und muss mich mit gar nichts anderem beschäftigen. Wunderbar!

Preise und Marken

Ich hatte noch nie die viel gerühmte “Thigh Gap”. Ich bin ja schließlich weiblich, mit dem entsprechender Fettverteilung. Das heißt ich hatte schon immer das Problem, dass die zwei Stofflagen der Hose sich an den Oberschenkeln treffen. Es entsteht Friktion – und damit je nach Stoff irgendwann Löcher. Da kann man nicht wirklich etwas dagegen tun – und auch qualitativ hochwertigere Stoffe verzögern das Entstehen der Löcher maximal um ein paar Monate. Warum also soll ich mein Geld in Hosen irgendwelcher bekannter Marken investieren, wenn ich für den gleichen Preis online zwei oder drei Hosen (ohne “Marke”) bekommen kann? Zudem war ich noch nie ein Freund von sichtbaren Labels auf Kleidung. Auf solche Dinge wurde schon im Realschulalter geachtet. Wer nicht die gerade trendigen Marken trug, gehörte zu dem Losern.
Ich kann mich sogar noch an die Marken erinnern: Fubu, Carhartt, Dickies.. Und bei Schuhen waren es diese grauenhaften Plateauschuhe von Buffalo Boots. Dagegen trug ich keine Markenkleidung. Mama bestellte in Katalogen, Jeans wurden bei Aldi gekauft und teilweise erstand sie auch Sachen auf dem Kleiderbasar der katholischen Kirche. Ich hatte kein Verlangen nach Markenkleidung – den Spott der Klassen”kameraden” habe ich zu der Zeit meist stillschweigend über mich ergehen lassen.

Wunschkonzert

Wäre das Leben ein Wunschkonzert, wäre ich vermutlich sogar modisch begeistert. In meiner Wunschwelt des 21. Jahrhunderts wäre das tragen viktorianischer Kleidung (Korsetts sind toll!) gesellschaftlich akzeptiert. Und wenn ich keine Lust auf’s Frau sein hätte, würde ich einfach Mann. Als Mann hat man es in Sachen Kleidung eh viel einfacher. Deutlich weniger Regeln gibt es, man muss sich z.B. keine Gedanken zum Thema “Ausschnitt” (die Grenze zwischen “nicht zu zugeknöpft” und “nuttig” ist fließend) machen. Die größte Herausforderung besteht darin, die Farben von Anzug, Gürtel und Schuhwerk zu koordinieren. In meiner idealen Welt gibt es vernünftige Businessmode für Damen auch in Übergrößen. Und passende Blusen aus leicht stretchigen Stoffen, die man nicht 2 Nummern größer kaufen muss, aus Angst die Knöpfe über den Brüsten beim Einatmen abzusprengen. (Lacht nicht, mir ist das schon passiert)

Modebloggen

lohnt sich eigentlich nur, wenn man auch Ahnung vom Thema hat und zu einzelnen Artikeln etwas mehr als ein paar Zeilen sagen kann, man muss seine eigene Nische finden. Flo bloggt z.B. über die farbenfrohe Welt der Sneaker und grundsätzlich um Männermode im Plus Size Bereich. Die vielen vielen Modepüppis mit ihren “Outfit of the Day” und “Haul”-Posts ignoriere ich meist geflissentlich. Man sieht dort irgendwie immer das Gleiche. Selbst die bekannten deutschsprachigen Plus Size Damenmodeblogs sind nicht so mein Fall. Zu verspielt, zu viele Accessoires, zu bunt, zu.. Mädchen? Ich bin da dann doch zu sehr Nonkonformist.